Eine Person wird nach einer Hausdurchsuchung im Rahmen von Ermittlungen gegen Rechtsextremisten wegen des Verdachts auf mehrfachen versuchten Mord festgenommen
Ein deutscher Polizeibeamter wurde bei der Durchsuchung von Immobilien im ganzen Land im Rahmen von Ermittlungen gegen die rechtsextreme Reichsbürger-Bewegung, der ein Umsturzversuch vorgeworfen wird, angeschossen und verletzt.
Eine Person, die als Markus L. identifiziert wurde, wurde wegen des Verdachts auf mehrfachen versuchten Mord und schwere Körperverletzung festgenommen, nachdem in der südlichen Stadt Reutlingen in der Nähe von Stuttgart Schüsse gefallen waren, so die Staatsanwaltschaft.
Die Durchsuchungen am Mittwoch folgten auf Razzien im Dezember, als die Polizei ein Komplott von Mitgliedern der Reichsbürgerbewegung vereitelte, die das heutige Deutschland nicht als rechtmäßigen Staat anerkennt, um einen gewaltsamen Staatsstreich zu inszenieren und den Adeligen Heinrich XIII.
Die Razzien in acht deutschen Bundesländern und in der Schweiz richteten sich gegen fünf Personen, die verdächtigt wurden, einer terroristischen Vereinigung anzugehören, sowie gegen weitere 14 Personen, die zwar nicht verdächtig waren, aber möglicherweise über nützliches Material verfügten, so die Staatsanwaltschaft.
Spiegel Online berichtete, dass sich unter den Verdächtigen und Zeugen, deren Wohnungen durchsucht wurden, auch mehrere Mitglieder der deutschen Sicherheitsdienste befanden. Die Ermittler interessierten sich auch für drei Polizeibeamte, vier Reservisten und einen Marinekapitän, hieß es. Die Staatsanwaltschaft war nicht sofort für eine Stellungnahme zu erreichen.
Der deutsche Inlandsgeheimdienst, das Bundesamt für Verfassungsschutz, hat die Reichsbürgerbewegung 2016 unter Beobachtung gestellt. Nach Angaben der Behörde gehören ihr heute rund 21.000 Menschen an, von denen etwa 5 % als rechtsextrem gelten. Die Behörden sind vor allem wegen des Waffenbesitzes in der Bewegung besorgt.
Der deutsche Justizminister, Marco Buschmann, schrieb am Mittwoch auf Twitter: „Die Bundesanwaltschaft hat heute 20 Objekte durchsuchen lassen. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit der Reichsbürger-Szene. Ein Polizist wurde angeschossen. Das zeigt, wie gefährlich die Einsätze sind. Es ist die Pflicht der Behörden, Reichsbürger zu entwaffnen.“
Markus L. wurde zunächst als Zeuge und nicht als Verdächtiger behandelt. Als er seine Wohnung betrat, wiesen sich Polizeibeamte aus, so die Staatsanwaltschaft. „Sie trafen Markus L. im Wohnzimmer an, wo er bereits eine großkalibrige Waffe auf die Beamten richtete“, hieß es, und er ignorierte die wiederholte Aufforderung, die Waffe niederzulegen.
„In einem Schusswechsel wurde ein Polizeibeamter in den Arm geschossen“, so die Staatsanwaltschaft in einer Erklärung. Er wurde daraufhin festgenommen. Innenministerin Nancy Faeser sagte, die deutschen Waffengesetze müssten verschärft werden.


