Die Polizei hat Liegenschaften des Vertreters der katholischen Kirche in Köln durchsucht. Hintergrund sind Vorwürfe, Kardinal Rainer Maria Woelki habe Fälle von sexuellem Missbrauch vertuscht.
Polizei und Staatsanwaltschaft in der deutschen Stadt Köln haben am Dienstag im Rahmen der Ermittlungen gegen Kardinal Rainer Maria Woelki Hausdurchsuchungen im Besitz des örtlichen Erzbistums der katholischen Kirche durchgeführt.
Dem Erzbischof wird vorgeworfen, vor Gericht über sein Wissen über sexuelle Missbrauchsfälle in der Kirche gelogen zu haben. Woelki hat die Vorwürfe bestritten.
Polizei durchsucht mehrere Orte
Die Razzien begannen um 8 Uhr morgens (0600 UTC). Die Polizei durchsuchte vier Objekte in Köln sowie je ein Objekt in Kassel und im hessischen Lohfelden. An den Durchsuchungen waren rund 30 Polizeibeamte beteiligt.
Die Polizei durchsuchte auch die Räumlichkeiten der IT-Firma, die den E-Mail-Dienst der Erzdiözese bereitstellt.
Die Durchsuchungen wurden kooperativ gehandhabt, Woelki selbst öffnete der Polizei in der erzbischöflichen Residenz die Tür, berichtete der Westdeutsche Rundfunk (WDR).
„Die Maßnahmen wurden ohne Zwischenfälle durchgeführt und stießen an den jeweiligen Durchsuchungsorten auf eine breite Kooperation“, so die Behörden.
Warum wird gegen den Kölner Erzbischof ermittelt?
Polizei und Staatsanwaltschaft wollten Dokumente beschlagnahmen, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen des Vorwurfs des Meineids gegen Kardinal Woelki stehen.
Meineid ist ein Kapitalverbrechen und wird mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis geahndet. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Ermittlungen mehrere Monate dauern werden.
Der Fall dreht sich um die Beförderung eines Priesters in ein hohes Amt in der Stadt Düsseldorf, der des mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigt wird.
Woelki sagte, er habe erst seit letztem Jahr von den Missbrauchsfällen gewusst. Eine ehemalige Mitarbeiterin sagte jedoch, sie habe 2015 eine Liste von Missbrauchstätern für Woelki erstellt, aber „das hat den Kardinal überhaupt nicht interessiert.“
Die Ermittlungen, die zu den Razzien vom Dienstag führten, gehen auf die Anzeige einer Privatperson zurück, nachdem Woelki im März dieses Jahres eine eidesstattliche Erklärung in einem Verfahren gegen die deutsche Bild-Zeitung wegen Verleumdung abgegeben hatte.
„Ich schwöre, so wahr mir Gott helfe“, sagte Woelki damals laut WDR in seiner Erklärung.


