25 C
Berlin
Freitag, Juli 10, 2026
StartFinanzenEZB: Deutsche Bank räumt nicht ausreichend auf

EZB: Deutsche Bank räumt nicht ausreichend auf

Eigentlich wollte die größte deutsche Bank die Krise um schlechte Beratung in Spanien längst hinter sich lassen. Doch die interne Untersuchung hat die Europäische Zentralbank nicht zufrieden gestellt.

Bei einer großen Organisation wie der Deutschen Bank geht ständig etwas schief, sei es, dass jemand den Kunden die falschen Anlageprodukte verkauft oder dass die Geldwäscheabwehr nicht ganz funktioniert. Heutzutage werden Regelverstöße jedoch angemessen geahndet; das ist der Leitsatz der Führungsgruppe um CEO Christian Sewing. Schließlich ist die Bank an ihren Fehlern der Vergangenheit gewachsen.

Die Bankenaufsichtsbehörden der Europäischen Zentralbank (EZB) scheinen nun eine andere Sichtweise zu haben; insbesondere sind sie besorgt über eine Untersuchung der Bank wegen möglicher irreführender Finanzberatung für Verbraucher in Spanien, die intern als „Teal“-Projekt bekannt ist und fast abgeschlossen ist. Die Aufsichtsbehörden haben Berichten zufolge schon vor Monaten beanstandet, dass die Bank die Beschwerden nicht konsequent genug behandelt hat, und sich dabei auf Informationen der SZ berufen. Laut einem Bericht der Financial Times (FT) vom Sonntag sind die Aufsichtsbehörden wahrscheinlich immer noch unzufrieden mit den internen Untersuchungen, die nun fast abgeschlossen sind.

Es wurde aufgedeckt, dass mehrere Vertriebsmitarbeiter auf dem Londoner Devisenmarkt Derivate an kleine und mittlere spanische Unternehmen verkauft hatten, obwohl sie wussten, dass die Produkte für ihre Kunden zu kompliziert waren. Darüber hinaus waren die Kontrollen unzureichend. Die Bank trennte sich Berichten zufolge in diesem Zusammenhang von hochrangigen Mitarbeitern, konnte aber kein Fehlverhalten feststellen und zahlte Abfindungen. Trotzdem konnte niemand im Management zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Financial Times zufolge haben sowohl die EZB als auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin ihre Unzufriedenheit mit der Bank bezüglich der Untersuchung zum Ausdruck gebracht. Sie kritisierten, dass die Bank so lange brauchte, um die Untersuchung durchzuführen und Sanktionen gegen die Mitarbeiter zu verhängen, und bemängelten außerdem methodische Mängel. Wer im Vorstand ist derzeit für die Untersuchung zuständig? Dies wird von der Bank geheim gehalten.

Viele Kunden sind bereits von der Bank entschädigt worden

Die Transaktionen wurden über viele Jahre hinweg durchgeführt und kamen wahrscheinlich Ende 2019 zum Stillstand, als ein interner Hinweisgeber sie ans Licht brachte und die Untersuchung einleitete. Bis zur Übergabe der Position an ein anderes Vorstandsmitglied im Jahr 2021 war Christian Sewing im Vorstand zuletzt für das Investmentbanking zuständig.

Nun stellt sich die Frage: Waren die Banker nur durch ihre Boni motiviert, oder wurden sie auch durch die Entscheidungen der Konzernspitze beeinflusst? Möglicherweise wollte die Bank das Unternehmen damals „auf Vordermann bringen“, da der Verkauf von Derivaten der einfachste Weg war, die benötigten Ergebnisse zu erzielen. John Cryan, der Vorgänger von Sewing, hatte eigentlich geplant, das spanische Geschäft 2017 zu verkaufen. Das Projekt wurde von der Bank aufgegeben, weil sie keinen Käufer finden konnte.

Obwohl die Deutsche Bank behauptet, einige der potenziellen Bedenken der EZB geprüft zu haben, lehnte sie es ab, sich zum „Vertrieb strukturierter Devisenfutures und zur Einleitung der erforderlichen Schritte“ zu äußern. Wir verbessern unsere Verfahren und verstärken unsere Kontrollen, wie wir es von uns selbst und unseren Aufsichtsbehörden erwarten würden. Die EZB entschied sich, nicht zu antworten.

Gemäß der 2018 in Kraft getretenen EU-Wertpapierrichtlinie Mifid sind die Banken verpflichtet, ihre Kunden je nach ihrer Kompetenz in verschiedene Risikokategorien einzuteilen. Darin wird festgelegt, welche Waren bestimmten Kunden zum Kauf angeboten werden dürfen. Die Produkte müssen umso einfacher und verständlicher sein, je unerfahrener ein Käufer ist. Die Deutsche Bank hat bereits einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag als Entschädigung für angebliche Verstöße gegen diese Gesetze bei mehreren Unternehmen gezahlt.

Die spanische Hotelkette Palladium hat das Institut auf 500 Millionen Euro Schadenersatz wegen Verlusten mit Währungsderivaten verklagt und fällt damit in eine andere Kategorie. Dennoch ist die Deutsche Bank in diesem Fall der Ansicht, dass das Management von Palladium ausreichende Kenntnisse über Derivate hatte und in der Lage war, die damit verbundenen Risiken zu bewerten. Da die Bank jedoch möglicherweise gegen EU-Vorschriften oder das Bankenaufsichtsrecht verstoßen hat, könnten nun auch Geldstrafen verhängt werden.

.

RELATED ARTICLES

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Advertisment -

Beliebtestes