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Wenn das Auto zum Softwareprodukt wird: Warum Updates über die Zukunft eines Fahrzeugs entscheiden

Ein Auto konnte früher zwanzig Jahre alt werden und im Wesentlichen noch genauso funktionieren wie am ersten Tag. Motor, Getriebe, Radio und Klimaanlage waren physische Komponenten. Repariert wurde, was verschlissen oder kaputt war.

Bei modernen Fahrzeugen verändert sich dieses Prinzip.

Software übernimmt immer mehr Aufgaben. Sie steuert Infotainment, Navigation, Assistenzsysteme, Batteriemanagement und zahlreiche Komfortfunktionen. Gleichzeitig können Fahrzeuge über eine Internetverbindung neue Software erhalten, ohne dafür zwingend eine Werkstatt besuchen zu müssen.

Das Auto entwickelt sich dadurch von einer weitgehend abgeschlossenen Maschine zu einem Produkt, das sich auch Jahre nach dem Kauf verändern kann.

Und genau das wirft neue Fragen auf.

Das Auto nach dem Update ist nicht unbedingt dasselbe

Vom Smartphone kennen Verbraucher regelmäßige Aktualisierungen längst. Beim Auto war dieses Prinzip lange ungewöhnlich.

Mit sogenannten Over-the-Air-Updates können Hersteller Software direkt auf kompatible Fahrzeuge übertragen. Damit lassen sich beispielsweise Fehler korrigieren, Navigationsdaten aktualisieren oder Funktionen optimieren.

Für Fahrer ist das zunächst komfortabel.

Ein Problem, das früher einen Werkstatttermin erforderlich gemacht hätte, kann unter bestimmten Voraussetzungen durch eine Aktualisierung behoben werden.

Doch damit verändert sich auch die Erwartung an ein Fahrzeug: Es soll nicht nur mechanisch funktionieren, sondern über Jahre softwareseitig gepflegt werden.

Die Lebensdauer bekommt eine digitale Komponente

Bei einem älteren Gebrauchtwagen schaut man traditionell auf Kilometerstand, Rost, Bremsen, Motor und Servicehistorie.

Künftig könnte eine weitere Frage wichtiger werden:

Wie lange erhält dieses Fahrzeug noch Software-Updates?

Das ist besonders relevant, wenn zentrale Funktionen von digitalen Systemen abhängig sind. Ein technisch gut erhaltenes Auto kann mechanisch noch viele Jahre nutzbar sein, während einzelne Online-Dienste möglicherweise früher eingestellt werden.

Für den Gebrauchtwagenmarkt entsteht damit ein neues Bewertungskriterium.

Neben dem Zustand der Hardware könnte die verbleibende digitale Unterstützung eines Modells Einfluss auf seine Attraktivität bekommen.

Ausstattung ist nicht mehr ausschließlich Hardware

Noch deutlicher wird der Wandel bei Funktionen, die bereits technisch im Fahrzeug vorhanden sind, aber erst durch Software aktiviert werden.

Damit entsteht ein ungewohntes Konzept: Zwei äußerlich nahezu identische Fahrzeuge können unterschiedliche Funktionen besitzen, obwohl ähnliche Hardware verbaut ist.

Für Hersteller eröffnet dies neue Geschäftsmodelle. Zusätzliche Funktionen könnten nach dem Fahrzeugkauf aktiviert oder teilweise zeitlich begrenzt angeboten werden.

Verbraucher betrachten solche Modelle allerdings nicht immer positiv.

Denn beim klassischen Autokauf gilt intuitiv: Was im eigenen Fahrzeug eingebaut ist, gehört auch zur gekauften Ausstattung.

Software stellt diese Vorstellung infrage.

Abonnements verändern den Autokauf

Das Abo-Modell hat längst Musik, Filme und Software erreicht. Auch in der Automobilbranche wird mit digitalen Diensten und zeitlich begrenzten Funktionen experimentiert.

Grundsätzlich können solche Angebote Vorteile haben.

Ein Fahrer könnte eine bestimmte Funktion beispielsweise nur für eine längere Urlaubsfahrt benötigen und sie vorübergehend aktivieren.

Problematisch wird es aus Verbrauchersicht dort, wo Funktionen dauerhaft zusätzliche Kosten verursachen, die früher Bestandteil der normalen Fahrzeugausstattung gewesen wären.

Beim Autokauf lohnt sich deshalb zunehmend ein Blick darauf, welche Funktionen dauerhaft enthalten sind und welche möglicherweise an zusätzliche Dienste gebunden bleiben.

Werkstätten müssen plötzlich IT verstehen

Die zunehmende Digitalisierung verändert auch die Reparatur.

Mechaniker benötigen weiterhin Kenntnisse über Motoren, Fahrwerke, Bremsen und Karosserie. Gleichzeitig werden Diagnosecomputer, Softwarestände und elektronische Steuergeräte immer wichtiger.

Ein Fehler muss nicht mehr zwingend durch ein beschädigtes mechanisches Bauteil verursacht werden.

Manchmal liegt das Problem in einem Sensor, einer fehlerhaften Kommunikation zwischen Steuergeräten oder einer Softwareversion.

Damit verschmelzen zwei Berufswelten, die früher relativ klar voneinander getrennt waren: Mechanik und Informationstechnologie.

Reparierbarkeit wird zur entscheidenden Frage

Je komplexer Fahrzeuge werden, desto schwieriger kann eine unabhängige Reparatur werden.

Werkstätten benötigen Diagnoseinformationen, Ersatzteile und teilweise Zugang zu herstellerspezifischen Systemen.

Für Verbraucher ist das relevant, weil Wettbewerb im Reparaturmarkt Einfluss auf Wartungskosten und die langfristige Nutzbarkeit eines Autos haben kann.

Ein Fahrzeug, das technisch noch problemlos fahren könnte, sollte schließlich nicht allein deshalb unwirtschaftlich werden, weil einzelne elektronische Komponenten oder Softwaredienste schwer zugänglich sind.

Die Diskussion über ein „Recht auf Reparatur“ bekommt deshalb auch für die Automobilbranche eine zunehmend digitale Dimension.

Auch Datenschutz fährt mit

Vernetzte Fahrzeuge können große Mengen technischer Daten erzeugen.

Dazu können je nach System beispielsweise Informationen über Fahrzeugzustand, Fehlermeldungen, Nutzung bestimmter Funktionen oder Standortdaten gehören.

Viele dieser Informationen sind sinnvoll. Sie können Wartungen erleichtern, Pannen erkennen oder Navigationsdienste verbessern.

Gleichzeitig sollten Fahrer nachvollziehen können, welche Daten verarbeitet werden und für welche Dienste sie benötigt werden.

Denn ein Auto ist ein besonders sensibler digitaler Raum: Es kann nicht nur zeigen, was jemand online anklickt, sondern potenziell auch, wann und wohin sich ein Fahrzeug bewegt.

Elektroautos beschleunigen die Entwicklung

Besonders sichtbar ist der Softwaretrend bei Elektrofahrzeugen.

Das Batteriemanagement ist dort entscheidend für Reichweite, Ladeleistung und Lebensdauer des Energiespeichers. Verbesserungen an der Steuerungssoftware können deshalb direkten Einfluss auf das Fahrerlebnis haben.

Software und Hardware lassen sich hier kaum noch voneinander trennen.

Ein leistungsfähiger Akku allein reicht nicht. Entscheidend ist auch, wie intelligent das Fahrzeug Energieverbrauch, Temperatur und Ladevorgänge steuert.

Beim Gebrauchtwagenkauf entstehen neue Fragen

Wer künftig ein modernes gebrauchtes Fahrzeug kauft, sollte möglicherweise nicht mehr ausschließlich das Serviceheft kontrollieren.

Interessant können auch folgende Punkte sein:

  • Ist die Fahrzeugsoftware aktuell?
  • Welche Online-Dienste werden noch unterstützt?
  • Sind bestimmte Funktionen dauerhaft aktiviert?
  • Welche Dienste benötigen ein kostenpflichtiges Abonnement?
  • Können unabhängige Werkstätten das Fahrzeug vollständig diagnostizieren?
  • Lassen sich Nutzerkonten des Vorbesitzers sauber entfernen?
  • Welche Daten bleiben nach einem Besitzerwechsel gespeichert?

Damit wird der Gebrauchtwagencheck um eine digitale Ebene erweitert.

Das Auto verändert sich vom Besitz zum Ökosystem

Genau hier liegt die größere Entwicklung.

Der Käufer erwirbt zwar weiterhin ein physisches Fahrzeug. Gleichzeitig bewegt er sich zunehmend innerhalb eines digitalen Systems des Herstellers – mit Apps, Benutzerkonten, Cloud-Diensten, Navigation, Updates und möglicherweise kostenpflichtigen Zusatzfunktionen.

Das kann vieles komfortabler machen.

Es erzeugt aber auch eine langfristige Abhängigkeit davon, wie gut ein Hersteller seine Fahrzeuge nach dem Verkauf unterstützt.

Die Qualität eines Autos könnte deshalb künftig nicht nur daran gemessen werden, wie zuverlässig es nach 150.000 Kilometern fährt.

Ebenso wichtig könnte werden, wie gut seine Software nach zehn Jahren noch funktioniert.

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