Beim Thema Autopannen denken viele zuerst an den Winter.
Eine kalte Dezembernacht, der Motor startet nicht und die Batterie gibt nur noch ein müdes Geräusch von sich – dieses Szenario gehört fast zum automobilen Allgemeinwissen.
Doch auch der Hochsommer kann für ein Auto überraschend anstrengend werden.
Während einer elftägigen Hitzeperiode registrierte der ADAC im Sommer 2026 mehr als 20 Prozent zusätzliche Panneneinsätze. Allein an zwei Wochenenden kamen zwischen Freitag und Sonntag rund 70.000 Einsätze zusammen.
Das Interessante daran: Die häufigste Ursache war nicht etwa ein überhitzter Motor.
Es war wieder die Batterie.
Auch im Sommer bleibt die Batterie Pannenursache Nummer eins
Mehr als 40 Prozent der vom ADAC während der Hitzeperiode registrierten Pannen gingen auf die Batterie zurück. Motor beziehungsweise Motormanagement folgten mit ungefähr einem Viertel der Fälle.
Das wirkt zunächst widersprüchlich.
Schließlich verbinden wir Batterieprobleme hauptsächlich mit Frost.
Tatsächlich können hohe Temperaturen die chemische Alterung einer klassischen Starterbatterie jedoch beschleunigen. Eine Batterie kann während des Sommers geschwächt werden und ihren endgültigen Ausfall erst später zeigen.
Besonders aufmerksam sollte man deshalb werden, wenn der Motor beim Starten ungewöhnlich langsam durchdreht oder elektrische Systeme Auffälligkeiten zeigen.
Eine Batterie vorsorglich jedes Jahr auszutauschen wäre natürlich unsinnig. Ist sie allerdings bereits mehrere Jahre alt und zeigt erste Schwächen, kann ein Batterietest vor einer langen Urlaubsfahrt durchaus sinnvoll sein.
Eine Starterbatterie ist längst kein beliebiges Ersatzteil mehr
Wer tatsächlich eine neue Batterie benötigt, sollte außerdem nicht einfach irgendein Modell mit passenden Abmessungen kaufen.
Moderne Fahrzeuge können je nach Ausstattung unterschiedliche Batterietechnologien benötigen. Besonders Fahrzeuge mit Start-Stopp-Systemen stellen spezifische Anforderungen.
Der ADAC weist deshalb darauf hin, vor dem Kauf unter anderem Fahrzeughandbuch, Bauform, Kapazität und die vorgeschriebene Batterietechnologie zu berücksichtigen. Eine ungeeignete Ersatzbatterie kann Probleme verursachen.
Bei modernen Fahrzeugen kann zusätzlich ein Anlernen beziehungsweise Registrieren der neuen Batterie im Fahrzeug notwendig sein.
Der vermeintlich einfache Batteriewechsel ist deshalb bei manchen Autos längst keine reine Zehn-Minuten-Arbeit mehr.
Im Innenraum können Temperaturen von 60 Grad entstehen
Das unmittelbarere Hitzeproblem wartet allerdings bereits beim Einsteigen.
Ein Auto, das längere Zeit in direkter Sonne steht, kann sich extrem aufheizen.
Nach Angaben des ADAC sind Innenraumtemperaturen von 60 Grad keine Seltenheit. Besonders Armaturenbrett, Lenkrad und Sitze können dabei noch wesentlich höhere Oberflächentemperaturen erreichen.
Interessant ist, wie schnell das passiert.
In einem ADAC-Test wurden bei 28 Grad Außentemperatur in einem geschlossenen Fahrzeug bereits nach zehn Minuten 38 Grad und nach 20 Minuten 45 Grad gemessen. Selbst zwei leicht geöffnete Seitenscheiben änderten daran erstaunlich wenig: Dort wurden nach 20 Minuten immer noch 42 Grad erreicht.
Ein kleiner Fensterspalt ist deshalb kein zuverlässiger Hitzeschutz.
Das gilt insbesondere für Kinder und Tiere: Sie dürfen bei warmem Wetter niemals allein im abgestellten Fahrzeug zurückgelassen werden.
Vor dem Losfahren erst einmal die Hitze herauslassen
Wer in ein stark aufgeheiztes Auto steigt, neigt zu einer einfachen Reaktion:
Klimaanlage auf maximale Leistung.
Effizienter ist es, zunächst die gespeicherte Hitze aus dem Fahrzeug zu bekommen.
Der ADAC empfiehlt, vor der Fahrt Türen und gegebenenfalls das Schiebedach zu öffnen und das Auto gründlich durchzulüften. Anschließend können Fenster geschlossen und Lüftung beziehungsweise Klimaanlage zunächst stärker eingesetzt werden.
Das dauert nur wenige Augenblicke, macht aber einen deutlichen Unterschied.
Wer sofort mit geschlossenen Fenstern losfährt, verlangt von der Klimaanlage zunächst, einen extrem aufgeheizten Innenraum herunterzukühlen.
Die Klimaanlage sollte nicht zum Kühlschrank werden
Bei 35 Grad Außentemperatur wirken 18 Grad im Innenraum zunächst fantastisch.
Für den Körper ist ein extremer Temperaturunterschied allerdings nicht unbedingt angenehm.
Der ADAC empfiehlt, die Differenz zwischen Außen- und Innentemperatur nicht zu groß werden zu lassen. Als Orientierung nennt er etwa sechs Grad Unterschied. Bei extremen Außentemperaturen kann die Klimaanlage auf ungefähr 22 bis 25 Grad eingestellt werden.
Auch die Luftströmung spielt eine Rolle.
Kalte Luft sollte nicht dauerhaft direkt auf Gesicht oder Körper gerichtet sein.
Kurz vor dem Ende einer Fahrt kann es außerdem sinnvoll sein, die Kühlfunktion auszuschalten und das Gebläse noch etwas weiterlaufen zu lassen. Dadurch kann Feuchtigkeit am Verdampfer reduziert werden, was unangenehmen Gerüchen und mikrobieller Belastung entgegenwirken kann.
Wenn die Klimaanlage plötzlich schwächelt
Gerade im Hochsommer zeigt sich außerdem, ob die Klimaanlage technisch in Ordnung ist.
Während der Hitzeperiode 2026 lag der Anteil der Pannen aus der Bauteilgruppe Kühlung, Heizung und Klima laut ADAC bei rund 13 Prozent – etwa doppelt so hoch wie im übrigen Jahr.
Wenn die Anlage trotz längerer Fahrt kaum noch kühlt, sollte das deshalb nicht einfach ignoriert werden.
Die Ursachen können unterschiedlich sein: fehlendes Kältemittel, Undichtigkeiten oder Probleme mit einzelnen Komponenten.
Ein funktionierendes Klimasystem ist im Sommer außerdem mehr als Komfort.
Extreme Hitze kann Müdigkeit und Konzentrationsprobleme verstärken und damit auch das Unfallrisiko erhöhen.
Sonnenschutz kann tatsächlich einen Unterschied machen
Nicht jede Maßnahme gegen Hitze ist gleichermaßen effektiv.
Der ADAC hat verschiedene Möglichkeiten untersucht und festgestellt, dass beispielsweise Sonnenschutzfolien sowie sogenannte Halbgaragen die Aufheizung reduzieren können.
Auch die Fahrzeugfarbe spielt eine gewisse Rolle.
Ein weißes Fahrzeug erwärmte sich in den Tests weniger stark als ein schwarzes. Trotzdem können sich auch helle Autos bei Sonneneinstrahlung auf gefährlich hohe Innenraumtemperaturen aufheizen.
Die praktischste Lösung bleibt deshalb banal: Schatten.
Wer die Möglichkeit hat, das Fahrzeug in einer Garage, unter einem Carport oder an einem schattigen Ort abzustellen, reduziert die Aufheizung erheblich.
Dabei sollte man allerdings den Sonnenstand berücksichtigen.
Der perfekte Schattenplatz um zehn Uhr morgens kann drei Stunden später vollständig in der Sonne liegen.
Auch Gegenstände im Auto mögen keine extreme Hitze
Ein weiterer Punkt wird leicht vergessen.
Nicht alles, was normalerweise im Auto herumliegt, sollte dort bei extremen Temperaturen bleiben.
Elektronische Geräte und Akkus können empfindlich auf starke Hitze reagieren.
Auch bestimmte Spraydosen oder andere unter Druck stehende Behälter gehören nicht in einen extrem aufgeheizten Innenraum.
Selbst alltägliche Dinge können problematisch werden.
Eine Brille auf dem Armaturenbrett kann sehr heiß werden. Getränke verändern sich bei langen Standzeiten. Medikamente sollten grundsätzlich entsprechend ihren jeweiligen Lagerungshinweisen aufbewahrt werden.
Vor einer Hitzewelle lohnt sich deshalb ein kurzer Blick ins Fahrzeug.
Der Kofferraum ist kein klimatisierter Lagerraum.
Und was passiert mit dem Elektroauto?
Bei Elektroautos entsteht im Sommer eine zusätzliche Sorge:
Frisst die Klimaanlage die Reichweite?
Natürlich benötigt sie Energie.
Der Effekt ist aber weniger dramatisch, als manche Fahrer vermuten.
Der ADAC simulierte bereits in einem Labortest einen extremen Sommerstau. Ein Elektroauto stand acht Stunden lang bei steigenden Temperaturen, während der Innenraum klimatisiert wurde.
Nach acht Stunden entsprach der Energieverbrauch der Klimatisierung ungefähr 64 Kilometern Reichweite.
Für einen normalen Stau von einer oder zwei Stunden wäre der Effekt entsprechend deutlich kleiner.
Die Vorstellung, ein Elektroauto werde im sommerlichen Autobahnstau allein wegen der Klimaanlage innerhalb kürzester Zeit mit leerem Akku liegen bleiben, ist daher bei vernünftigem Ladestand kaum realistisch.
Hitze und Hochvoltbatterie sind trotzdem ein Thema
Das bedeutet nicht, dass hohe Temperaturen für die Batterie eines Elektroautos irrelevant sind.
Lithium-Ionen-Akkus altern grundsätzlich, und extreme Temperaturen können die Alterung beeinflussen.
Moderne Elektroautos verfügen deshalb über ein Batteriemanagement und meist über ein aktives Thermomanagement, das die Temperatur des Hochvoltspeichers kontrolliert.
Für den Alltag empfiehlt der ADAC dennoch einen schonenden Umgang.
Dauerhaftes vollständiges Aufladen und extremes Leerfahren sollten möglichst vermieden werden. Für den täglichen Betrieb kann ein mittlerer Ladebereich sinnvoll sein; 100 Prozent werden eher dann benötigt, wenn unmittelbar danach eine längere Fahrt ansteht.
Auch längere Standzeiten bei extrem hohem Ladezustand und starker Hitze sind nicht ideal.
Wer eine Garage oder einen schattigen Stellplatz besitzt, hat damit auch beim Elektroauto einen kleinen Vorteil.
Reichweite allein sagt bei einem E-Auto ohnehin immer weniger aus
Gerade vor einer Urlaubsfahrt konzentrieren sich viele Käufer noch stark auf die maximale Reichweite.
500 Kilometer klingen besser als 430.
Auf der Langstrecke kann aber ein anderer Wert mindestens genauso wichtig sein: Wie schnell bekommt das Auto Energie zurück?
Der ADAC weist in seinem aktuellen Schnellladetest 2026 darauf hin, dass Herstellerangaben zu Reichweite und maximaler Ladeleistung allein nur begrenzt zeigen, wie langstreckentauglich ein Elektroauto tatsächlich ist. Entscheidend ist auch die reale Ladekurve – also wie lange eine hohe Ladeleistung tatsächlich gehalten werden kann.
Ein Fahrzeug mit etwas kleinerer Reichweite, das sehr schnell nachlädt, kann auf einer langen Autobahnfahrt deshalb praktischer sein als ein Reichweitenmodell mit langsamer Ladecharakteristik.
Für Käufer verändert das die klassische Frage von „Wie weit fährt es?“ zu:
Wie schnell komme ich inklusive Ladepausen ans Ziel?
Vor der Urlaubsfahrt verdienen auch die Reifen Aufmerksamkeit
Hohe Temperaturen verändern außerdem die Bedingungen für Reifen.
Vor einer längeren Reise sollte der Reifendruck deshalb bei kalten Reifen entsprechend den Herstellerangaben kontrolliert werden.
Besonders wichtig wird das, wenn das Fahrzeug stärker beladen ist als im Alltag.
Vier Personen, Koffer, Fahrräder oder Dachbox verändern Gewicht und teilweise auch die vorgeschriebenen Reifendruckwerte.
Die entsprechenden Angaben finden sich je nach Fahrzeug beispielsweise in der Bedienungsanleitung, im Türrahmen oder an der Tankklappe.
Auch das Reifenprofil und sichtbare Beschädigungen sollten vor einer langen Autobahnfahrt kontrolliert werden.
Denn 1.000 Kilometer Urlaubsfahrt sind ein schlechter Zeitpunkt, um festzustellen, dass ein Reifen bereits vorher auffällig war.
Die Dachbox kostet nicht nur zusätzlichen Platz
Wer in den Urlaub fährt, kennt ein weiteres Phänomen:
Je größer das Auto, desto mehr Gepäck wird mitgenommen.
Ist der Kofferraum voll, landet schnell eine Dachbox oben auf dem Fahrzeug.
Sie schafft Platz, erhöht aber Luftwiderstand und Verbrauch.
Das betrifft Verbrenner genauso wie Elektroautos.
Für E-Autos empfiehlt der ADAC zur Reichweitenoptimierung unter anderem, unnötiges Gewicht und überflüssige Dachaufbauten zu vermeiden sowie auf korrekten Reifendruck zu achten.
Wer die Dachbox nach dem Urlaub noch drei Monate leer auf dem Auto lässt, fährt deshalb dauerhaft mit einem aerodynamischen Nachteil herum.
Das Gleiche gilt für Fahrradträger und andere Aufbauten, wenn sie gerade nicht benötigt werden.
Sommercheck bedeutet nicht automatisch Werkstatttermin
All diese Punkte können schnell so wirken, als müsse vor jeder längeren Sommerfahrt ein vollständiger Werkstattcheck gebucht werden.
Das ist nicht zwingend notwendig.
Viele Dinge lassen sich selbst kontrollieren:
Reifendruck und Reifenprofil, Scheibenwaschflüssigkeit, sichtbare Warnmeldungen, Funktion der Beleuchtung und der Zustand der Scheibenwischer.
Auch ein kurzer Blick unter das Fahrzeug kann sinnvoll sein.
Eine kleine Wasserpfütze nach laufender Klimaanlage ist meist normales Kondenswasser. Auffällig gefärbte oder ölige Flüssigkeiten sind dagegen ein Grund, genauer hinzusehen.
Bei älteren Fahrzeugen oder vor besonders langen Reisen kann zusätzlich eine professionelle Kontrolle sinnvoll sein – insbesondere wenn bereits technische Auffälligkeiten bestehen.
Hitze verändert auch den Fahrer
Am Ende ist allerdings nicht das Auto der empfindlichste Teil einer Sommerreise.
Es ist der Mensch darin.
Hitze kann Konzentration und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Lange Autobahnfahrten, Staus und dichter Ferienverkehr erhöhen die Belastung zusätzlich. Der ADAC weist ausdrücklich auf ein steigendes Unfallrisiko durch hitzebedingte Müdigkeit und Konzentrationsschwäche hin.
Ausreichend trinken, regelmäßige Pausen einlegen und den Innenraum angenehm temperieren sind deshalb keine Komfortextras.
Sie gehören zur sicheren Reise.
Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis für den Sommer:
Ein Auto braucht bei Hitze keine komplizierte Spezialbehandlung. Aber einige Dinge, die während des restlichen Jahres kaum auffallen – Batterie, Klimaanlage, Reifendruck, Innenraumtemperatur und Flüssigkeitsversorgung – werden plötzlich deutlich wichtiger.
Zehn Minuten Vorbereitung vor einer langen Fahrt können dann wesentlich angenehmer sein als zwei Stunden Warten auf dem Standstreifen.

