StartShoppingMarken & ShopsBaumschule Horstmann: Wie selbst Pflanzen zum Online-Shopping wurden

Baumschule Horstmann: Wie selbst Pflanzen zum Online-Shopping wurden

Schuhe online kaufen?

Normal.

Ein Smartphone?

Natürlich.

Aber einen Baum?

Da wird die Sache interessanter.

Denn Pflanzen gehören eigentlich zu den Dingen, die denkbar schlecht zum klassischen Online-Shopping passen.

Sie sind lebendig.

Sie unterscheiden sich voneinander.

Sie reagieren auf Temperatur, Wasser und Jahreszeit.

Und anders als ein Buch kann man einen zwei Meter hohen Strauch nicht einfach in einen Standardkarton legen und hoffen, dass alles gut geht.

Trotzdem ist genau daraus inzwischen ein eigener Bereich des E-Commerce entstanden.

Die Baumschule Horstmann aus Schleswig-Holstein ist ein interessantes Beispiel dafür, wie früh diese Entwicklung begonnen hat. Bereits 2004 setzte das Unternehmen konsequent auf den Onlinehandel mit Pflanzen – zu einer Zeit, als die Vorstellung, Gartenpflanzen über das Internet zu bestellen, für viele noch ziemlich ungewöhnlich war.

Heute wirkt das deutlich weniger exotisch.

Und genau darin steckt eine größere Geschichte über unseren Umgang mit Garten, Shopping und Digitalisierung.

2004 war Pflanzenkauf im Internet noch eine ziemlich wilde Idee

Man muss sich kurz daran erinnern, wie das Internet damals aussah.

Facebook war gerade erst gegründet.

YouTube existierte noch nicht.

Das erste iPhone sollte erst Jahre später erscheinen.

Online-Shopping wuchs zwar, hatte aber längst nicht die Selbstverständlichkeit von heute.

Und in dieser Zeit entstand die Idee, Pflanzen über das Netz zu verkaufen.

Nach der Unternehmensdarstellung der Baumschule Horstmann begann die Geschichte zunächst sogar über eBay. Lars Horstmann wollte Pflanzen aus dem elterlichen Betrieb über das Internet über die Grenzen des kleinen lokalen Geschäfts hinaus anbieten. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Lars Heese entwickelte sich daraus das Onlinegeschäft.

Rückblickend klingt das fast logisch.

Damals war es das nicht.

Denn gerade Pflanzen leben normalerweise von etwas, das im Internet fehlt:

dem direkten Eindruck.

Im Gartencenter entscheidet oft das Auge

Wer durch eine klassische Baumschule läuft, kauft nicht ausschließlich rational.

Man sieht eine Pflanze.

Bleibt stehen.

Schaut auf die Blüten.

Berührt vielleicht die Blätter.

Und denkt plötzlich:

Die würde dort hinten neben der Terrasse gut aussehen.

Online funktioniert dieser spontane Moment anders.

Dort muss ein Foto vermitteln, was später vielleicht jahrelang im eigenen Garten wachsen soll.

Noch schwieriger:

Die Pflanze auf dem Bildschirm muss nicht genauso aussehen wie die Pflanze, die im Paket ankommt.

Eine Staude im Frühjahr kann ziemlich unspektakulär wirken.

Im Sommer sieht dieselbe Pflanze völlig anders aus.

Ein laubabwerfendes Gehölz besitzt im Winter möglicherweise kaum Blätter.

Das ist kein Qualitätsproblem.

Es ist Biologie.

Und genau deshalb braucht Pflanzenhandel im Internet mehr Erklärung als viele andere Shopping-Kategorien.

Beim Pflanzenkauf muss der Kunde in die Zukunft schauen

Eigentlich kauft man online nicht die Pflanze, die man auf dem Bildschirm sieht.

Man kauft eine Vorstellung davon, was daraus werden kann.

Das macht den Gartenhandel ungewöhnlich.

Ein Sofa wird nach der Lieferung ungefähr so aussehen wie beim Kauf.

Ein Fernseher ebenfalls.

Eine junge Pflanze dagegen verändert sich über Jahre.

Aus wenigen Trieben kann ein großer Strauch werden.

Aus einem kleinen Baum ein Schattenspender.

Und aus einer scheinbar harmlosen Kletterpflanze möglicherweise irgendwann ein ziemlich entschlossener Eroberer der Hauswand.

Deshalb gehören Informationen über Standort, Wuchshöhe und Entwicklung beim digitalen Pflanzenkauf nicht bloß zur Produktbeschreibung.

Sie sind Teil der eigentlichen Kaufentscheidung.

Das Internet löst gleichzeitig ein altes Problem

Der Onlinehandel besitzt allerdings einen Vorteil, der gerade bei Pflanzen enorm sein kann:

Auswahl.

Ein lokales Gartencenter verfügt nur über begrenzte Fläche.

Das Internet kennt dieses Regalproblem deutlich weniger.

Die Baumschule Horstmann spricht inzwischen von einer Auswahl aus mehreren Tausend Pflanzen und bietet zusätzlich digitale Werkzeuge und umfangreiches Gartenwissen an.

Für Gartenfans verändert das die Suche.

Man muss nicht mehr ausschließlich schauen, was zufällig gerade im nächsten Gartencenter steht.

Man kann gezielter nach Eigenschaften suchen.

Und damit wird aus dem klassischen Einkaufsbummel zunehmend Recherche.

Google hat auch den Garten verändert

Das merkt man schon daran, wie Gartenprojekte heute beginnen.

Früher fragte man vielleicht den Nachbarn:

„Was wächst eigentlich an dieser schattigen Stelle?“

Heute fragt man Google.

Welche Pflanzen vertragen Trockenheit?

Was wächst im Schatten?

Welche Hecke bleibt grün?

Welche Pflanzen sind für Insekten interessant?

Wann sollte etwas geschnitten werden?

Wie groß wird dieser Baum in zehn Jahren?

Der eigentliche Kauf steht häufig erst am Ende einer langen Informationssuche.

Online-Baumschulen verkaufen deshalb nicht nur Pflanzen.

Sie bewegen sich zwangsläufig auch im Bereich Wissen.

Horstmann betreibt beispielsweise neben dem Shop Ratgeberangebote sowie eine botanische Wissensdatenbank.

Das ist kein Zufall.

Je weniger ein Kunde das Produkt physisch untersuchen kann, desto wichtiger werden Informationen.

Gleichzeitig erlebt Gartenarbeit eine kleine Renaissance

Interessant ist, dass diese Digitalisierung ausgerechnet auf einen Bereich trifft, der ziemlich analog geblieben ist.

Gartenarbeit lässt sich nicht herunterladen.

Ein Beet muss tatsächlich angelegt werden.

Unkraut interessiert sich nicht für Apps.

Ein Baum benötigt echtes Wasser.

Und Tomaten wachsen auch mit Glasfaseranschluss nicht automatisch schneller.

Vielleicht ist genau das ein Teil der neuen Attraktivität.

Nach einem Arbeitstag vor Laptop und Smartphone möchten viele Menschen etwas machen, dessen Ergebnis tatsächlich angefasst werden kann.

Erde.

Holz.

Pflanzen.

Der Garten wird damit zum Gegenpol einer zunehmend digitalen Arbeitswelt.

Und paradoxerweise liefert genau diese digitale Welt die Inspiration dafür.

Pinterest und Instagram haben unseren Garten ebenfalls verändert

Früher entstand ein Garten häufig Stück für Stück.

Heute sieht man innerhalb von zehn Minuten hunderte perfekt gestaltete Beispiele.

Mediterraner Garten.

Naturgarten.

Minimalistische Terrasse.

Wildblumenbeet.

Japanisch inspirierte Gestaltung.

Urban Jungle.

Das erzeugt Ideen – und manchmal wahrscheinlich auch völlig unrealistische Erwartungen.

Denn ein Gartenfoto zeigt selten die drei Jahre Wachstum, die davor lagen.

Auch nicht die Schnecken.

Nicht den überraschenden Frost.

Und schon gar nicht den Samstag, an dem jemand sechs Stunden lang Erde geschleppt hat.

Social Media verkauft das fertige Ergebnis.

Gartenarbeit besteht dagegen hauptsächlich aus dem Weg dorthin.

Eine Pflanze ist kein Möbelstück

Genau deshalb besitzt Online-Pflanzenhandel eine Besonderheit, die Verbraucher verstehen sollten.

Geliefert wird ein lebender Organismus.

Sein Erscheinungsbild hängt von der Jahreszeit ab.

Die Baumschule Horstmann weist beispielsweise darauf hin, dass bestimmte Stauden, Clematis oder Gräser jahreszeitlich bedingt anders aussehen können und teilweise zurückgeschnitten geliefert werden. Auch Rosen können für Transport und weiteres Wachstum fachgerecht zurückgeschnitten sein.

Wer ausschließlich das perfekte Sommerfoto im Kopf hat, könnte deshalb beim Öffnen eines Pakets überrascht sein.

Beim Pflanzenkauf muss man stärker verstehen, was man bekommt, statt nur zu beurteilen, wie es in diesem Moment aussieht.

Selbst der Versand muss sich nach der Natur richten

Amazon hat uns daran gewöhnt, dass praktisch alles jederzeit verfügbar sein sollte.

Pflanzen halten sich nicht an diese Logik.

Horstmann legt beispielsweise während der besonders kalten Wintermonate eine witterungsabhängige Versandpause ein, um Frostschäden an den Pflanzen zu vermeiden. Wann der Versand wieder aufgenommen wird, hängt entsprechend von den Temperaturen ab.

Das ist ein interessantes Aufeinandertreffen zweier Welten.

E-Commerce möchte Geschwindigkeit.

Natur möchte Bedingungen.

Und am Ende gewinnt die Natur.

Ein Paket mit Kopfhörern interessiert sich nicht dafür, ob draußen minus zehn Grad herrschen.

Die Wurzeln einer Pflanze schon.

Damit wird Geduld wieder Teil des Einkaufens

Das wirkt fast altmodisch.

Wir leben in einer Handelswelt, in der Same-Day-Delivery als Fortschritt gilt.

Bei Pflanzen kann der richtige Zeitpunkt wichtiger sein als die schnellste Lieferung.

Das gilt auch nach der Ankunft.

Eine Hecke wird nicht am nächsten Morgen dicht sein.

Ein junger Baum spendet nicht sofort großen Schatten.

Ein neu angelegtes Beet braucht Zeit.

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Gartenarbeit einen so interessanten Gegensatz zum gewöhnlichen Online-Shopping bildet.

Man kann den Kauf mit wenigen Klicks beschleunigen.

Das Wachstum danach lässt sich nicht beschleunigen.

Der Garten wird außerdem ökologischer gedacht

Parallel verändert sich, was Menschen von ihren Gärten erwarten.

Ein Garten soll nicht mehr unbedingt nur ordentlich aussehen.

Biodiversität wird wichtiger.

Insektenfreundliche Pflanzen.

Nahrungsquellen für Vögel.

Weniger versiegelte Flächen.

Trockenheitsverträgliche Bepflanzung.

Der Klimawandel verstärkt diese Diskussion zusätzlich.

Welche Pflanzen kommen mit längeren trockenen Perioden zurecht?

Wie viel Wasser benötigt ein Garten?

Welche Arten passen langfristig noch zum Standort?

Damit wird Pflanzenkauf zunehmend auch zu einer Entscheidung über die Zukunft eines Gartens.

„Pflegeleicht“ bedeutet nicht „pflegefrei“

Online-Shopping liebt einfache Versprechen.

Im Garten funktionieren sie nur begrenzt.

Eine pflegeleichte Pflanze braucht trotzdem einen geeigneten Standort.

Eine trockenheitsverträgliche Art benötigt nach dem Einpflanzen möglicherweise zunächst regelmäßig Wasser.

Und selbst robuste Pflanzen können Probleme bekommen, wenn Boden, Licht oder Klima nicht passen.

Deshalb sollte die erste Frage beim Pflanzenkauf nicht lauten:

Welche Pflanze gefällt mir?

Sondern:

Welche Pflanze funktioniert an diesem Ort?

Das klingt weniger romantisch.

Es verhindert aber ziemlich viele Fehlkäufe.

Rabatte sollten deshalb erst ganz am Ende kommen

Gerade beim Pflanzenkauf ist ein günstiger Preis kein guter Grund für eine falsche Entscheidung.

Eine Pflanze für zehn Euro ist teuer, wenn sie nach einigen Monaten eingeht.

Eine andere für zwanzig Euro kann günstig sein, wenn sie zehn Jahre am richtigen Standort wächst.

Wer seinen Garten bereits plant und weiß, welche Art von Bepflanzung benötigt wird, kann anschließend natürlich auch prüfen, ob aktuell ein Baumschule-Horstmann Gutschein oder eine Aktion verfügbar ist.

Aber die Reihenfolge sollte stimmen.

Standort.

Platz.

Boden.

Licht.

Erwartete Größe.

Und erst danach Preis und Rabatt.

Nicht andersherum.

Ein kleiner Baum kann ein ziemlich großer Kauf sein

Dieser Gedanke wird besonders bei Gehölzen wichtig.

Im Onlineshop sieht man vielleicht eine relativ kompakte Pflanze.

Im Garten bleibt sie aber nicht kompakt.

Ein Baum kann Jahrzehnte wachsen.

Eine Hecke verändert Grundstücksgrenzen.

Ein Strauch kann irgendwann Fenster verdecken.

Deshalb ist die endgültige Größe einer Pflanze wesentlich wichtiger als ihre Größe beim Versand.

Das ist vielleicht der größte Unterschied zwischen Pflanzen und gewöhnlichen Konsumprodukten:

Man kauft nicht nur für heute.

Man kauft teilweise für eine Zukunft, die viele Jahre entfernt ist.

Baumschule Horstmann ist deshalb ein interessantes E-Commerce-Beispiel

Das Unternehmen zeigt, wie weit Onlinehandel inzwischen vorgedrungen ist.

Nicht, weil Pflanzen plötzlich perfekte Internetprodukte geworden wären.

Sondern weil Händler Wege gefunden haben, die Nachteile des digitalen Kaufs teilweise durch Information, spezialisierte Logistik und Beratung auszugleichen.

Horstmann bezeichnet sich heute ausdrücklich als Online-Baumschule und weist darauf hin, dass am Unternehmensstandort kein klassischer Vor-Ort-Verkauf stattfindet. Vorbestellte Waren können allerdings abgeholt werden.

Damit ist die Digitalisierung hier nicht bloß ein zusätzlicher Verkaufskanal.

Sie ist Teil des Geschäftsmodells.

Und das bereits seit einer Zeit, als viele Menschen noch skeptisch waren, überhaupt ihre Kreditkartendaten im Internet einzugeben.

Am Ende bleibt der Garten wunderbar undigital

Vielleicht liegt darin die schönste Ironie dieser Entwicklung.

Man kann heute online recherchieren.

Pflanzen vergleichen.

Standorte prüfen.

Gartenideen sammeln.

Digital planen.

Bestellen.

Die Lieferung verfolgen.

Und sich vorher ansehen, wie ein Garten irgendwann aussehen könnte.

Doch sobald das Paket angekommen ist, endet ein großer Teil der Digitalisierung.

Dann braucht man einen Spaten.

Erde.

Wasser.

Zeit.

Und manchmal etwas Glück mit dem Wetter.

Das Internet hat also verändert, wie eine Pflanze in unseren Garten kommt.

Was danach passiert, bestimmt weiterhin die Natur.

Und vielleicht ist genau deshalb der Online-Pflanzenhandel so ungewöhnlich:

Man bestellt mit wenigen Klicks etwas Digitales aus einem virtuellen Warenkorb – und bekommt am Ende etwas geliefert, das im besten Fall noch viele Jahre weiterlebt und wächst.

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